Das gut versteckte Arthouse-Kino im weltberühmten Kunstzentrum Alte Baumwollspinnerei.

Nur am 1. Dez um 20h: ONCE UPON A TIME IN GERMANY

Regie: Wiebke Thomsen & Johannes Thomsen
Format: Live Super 8mm Color Film
Dauer: 80 Min.
Sound: Stereo-Tape & Live-Samples
Sprachfassung: deutsch mit englischer Übersetzung
Land: Deutschland 2022

Teilnahmslose Landschaften, brechendes Licht, irgendein Vogel und das Fenster zum Talg-schwangeren Wohnzimmer aus Mustertapeten und Belanglosigkeiten. Schnitt. Zähe Plansequenzen blähen Momente zu Hängepartien und zertrümmern ihr zittriges Zuschauertum. Donnernde Leitmotive – wie deutsches Desinteresse im Dauerrausch – ohne Lehne und Lederhose. Schwarzrotgold auf vollmast, das Kino ist tot. Es lebe das Kino.
ONCE UPON A TIME IN GERMANY – ein heimfilmisches Lesartenkabinett deutscher Erinnerungskultur der 1960er- bis 1980er-Jahre: Aus über 50 Kilometern Super 8mm-Found-Footage ist ein visuell assoziativer Cut-Up-Film entstanden, den die beiden Regisseure live mit selbstkomponierten Tonband-Soundscapes und gesampelten Textfragmenten deutscher Dada-, Beat- und Untergrundliteratur vertonen. Ein analoges Kinoerlebnis, das mit dem Kino bricht und gleichzeitig eine Liebeserklärung an das Kino formuliert.

(Eintritt 10€ / 8€ erm.)

 

SONNE

Regie: Kurdwin Ayub

88 min / ab 12 Jahren

Eines Nachmittags unter besten Freundinnen: Yesmin, Nati und Bella legen „Losing My Religion“ von REM auf und schmeißen sich in eine sexy Tik-Tok-Pose – gehüllt in die Hijabs von Yesmins strenggläubiger Mutter. Das Video davon geht viral und wird zum Hit. Im Social-Media-Meinungsuniversum bricht die Hölle los. Gezielt-geglückte Provokation oder religiöser Affront? Jeder muss seinen Senf dazugeben. Für die drei Mädels folgt ein schneller Ruhm und Yesmins Vater erweist sich als findiger Agent, der den Mädels Auftritte als religiöses A-Capella-Trio auf kurdischen Familienfesten vermittelt. Nati und Bella stehen voll auf ihr neues Image als gläubige Sternchen im Scheinwerferlicht. Nur Yesmin, die einzige überzeugte Muslima, kann mit den öffentlichen Identitätsspielen wenig anfangen. Ihre plötzliche Präsenz auf Social Media erfordert eben auch, sich vor Fremden dafür zu rechtfertigen, wie man seine Religion auslebt. Nati und Bella sehen das alles naturgemäß nicht so eng, doch bei Yesmin hinterlassen die Reaktionen auf ihr Video Spuren: wann ist Religion Privatsache und wie wichtig ist ihr das Kopftuch wirklich? Die Freundschaft der drei Mädchen, aber auch der eigene Haussegen, stehen auf der Kippe.

GUILLERMO DEL TORO’S PINOCCHIO (engl. OmU)

Regie: Mark Gustafson Guillermo del Toro

116 min / ab 12 Jahren

Der Oscar®-prämierte Regisseur Guillermo del Toro und die preisgekrönte Stop-Motion-Legende Mark Gustafson erfinden Carlo Collodis Klassiker über den legendären hölzernen Jungen neu. In diesem einzigartigen Meisterwerk begibt sich Pinocchio auf ein zauberhaftes weltenübergreifendes Abenteuer und lernt dabei, dass die Liebe im wahrsten Sinne des Wortes Leben spenden kann.

 

MEDUSA (portug. OmU)

Regie: Anita Rocha da Silveira

127 min / ab 16 Jahren

Brasilien, in nicht näher definierter Zukunft: Die Säkularisierung ist aufgehoben, das Land wird von der Kirche regiert. Nachts ziehen Mariana und ihre gewaltbereiten Mitstreiterinnen maskiert durch die Stadt. Sie sind auf der Jagd nach Frauen, die gegen Sitte und Moral verstoßen. Ihre Ideologie fußt auf einer urban legend, wonach der Sünderin Melissa von einem Engel das Gesicht angezündet wurde. Das reinigende Feuer hat sie zur Heiligen avancieren lassen, die immer noch irgendwo, mit deformiertem Gesicht, ihr Dasein fristet. Marianas Spurensuche führt sie in eine ihr fremde Welt der menschlichen Nähe, die langsam auch sie zu verändern beginnt.

TRIANGEL OF SADNESS (engl. OmU)

Regie: Ruben Östlund

147 min / ab 12 Jahren

Das junge Männer-Model Carl (Harris Dickinson) und die erfolgreiche Influencerin Yaya (Charlbi Dean Kriek), in deren Beziehung es ein wenig kriselt, sind es gewohnt, ihr Luxus-Leben auf Instagram zu vermarkten. Als sie auf eine Kreuzfahrt für Superreiche eingeladen werden, können sie Erholung und Arbeit perfekt miteinander verbinden – sich mit einem Champagner-Glas auf dem Sonnendeck zu räkeln, ist schließlich absolut social-media-tauglich. Hinter den Kulissen geht es jedoch weit weniger paradiesisch zu. Während sich der dauerbetrunkene, marxistische Kapitän (Woody Harrelson) in seiner Kabine einschließt, versucht die Crew unter Leitung ihrer perfektionistischen Chefin Paula (Vicki Berlin), den verwöhnten Gästen jeden noch so absurden Wunsch zu erfüllen. Als das obligatorische Kapitänsdinner, zu dem sich der Captain dann doch noch breitschlagen lässt, ausgerechnet während eines Sturms stattfindet, laufen die Dinge jedoch völlig aus dem Ruder.

SERVUS PAPA, SEE YOU IN HELL

Regie: Christopher Roth

116 min / ab 16 Jahren

Jeanne lebt in der Kommune auf dem Bauernhof, seit sie zwei Jahre alt ist. Ihre Mutter und ihr Vater wohnen in Stadtkommunen und kommen nur selten zu Besuch. Dies ist eines der Gesetze, das Otto, der Herrscher der Kommune, so bestimmt: Kinder wachsen ohne Eltern auf. Die 14-jährige Jeanne kennt keine andere Welt, sie genießt ihr Leben in der Umgebung vieler anderer Kinder in der freien Natur. Bis sie sich in den 16-jährigen Jean verliebt und ihr Kindheitsparadies Risse bekommt. Denn jetzt verstößt sie gegen Ottos oberstes Gesetz: „Sex ist erlaubt, aber Liebe verboten“. Otto verbannt Jean in die Stadtkommune. Und dann ist da noch Ottos unausgesprochenes Privileg: Er kommt nachts in Jeannes Zimmer und berührt sie. Jeanne aber rebelliert. Und dann rebellieren auch die anderen Kinder – gegen die Erwachsenen und gegen die autoritäre Herrschaft Ottos.

STIMMEN VOM FEUER – VOICES FROM THE FIRE (engl. OmU)

Regie: Helen Simon

91 min / ab 18 Jahren

„Und wenn ich morgen sterbe, dann ist es auch egal.“ Wie schrecklich müssen die Umstände sein, damit man zu einer solchen Einschätzung kommt? Moderner Menschenhandel und Zwangsprostitution sind globale Phänomene der Entmenschlichung in unserer scheinbar aufgeklärten Zeit. Über eine Million Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, werden jährlich in diese zeitgenössische Form der Sklaverei getrieben. Auch hier in Deutschland! Für „Stimmen vom Feuer“ ist Helen Simon jahrelang durch die Welt gereist, hat recherchiert und mit unzähligen Opfern gesprochen. Drei Frauen, die durch die Hölle gegangen sind, erzählen ihre Geschichte, zwei von Ihnen begleitet Simon bei ihrem mutigen Kampf um Würde, Gerechtigkeit und eine längst überfällige Veränderung.