Das gut versteckte Arthouse-Kino im weltberühmten Kunstzentrum Alte Baumwollspinnerei.

RETURN TO SEOUL (franz./ korean. OmU)

Regie: Davy Chou

119 min / ab 12 Jahren

Freddie, 25, kehrt zum ersten Mal nach Südkorea zurück, wo sie geboren wurde, bevor sie adoptiert wurde und in Frankreich aufgewachsen ist, um ihre Herkunft wiederzufinden. Die eigensinnige junge Frau macht sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern in einem Land, von dem sie so wenig weiß, dass es ihr Leben in neue und unerwartete Bahnen lenkt. Davy Chou beweist große Sensibilität im Umgang mit Themen wie Heimat, Identität und dem Aufeinanderprallen… Der französisch-kambodschanische Regisseur Davy Chou erweist sich in seinem Nachfolgefilm zu Diamond Island (Gewinner des SACD-Preises der Kritikerwoche in Cannes) als ein neuer, unverzichtbarer Porträtist der heutigen Jugend und entmystifiziert die vorgefassten Meinungen über internationale Adoptionen durch die Suche dieser brennenden jungen Frau nach einer Lösung für ihre tief verwurzelte Identitätskrise.

SCHLACHTHÄUSER DER MODERNE

Regie: Heinz Emigholz

80 min / ab 12 Jahren

Die quasi-faschistische Architektur der Schlachthäuser Francisco Salamones in der argentinischen Pampa, die utopischen Bauwerke Freddy Mamani Silvestres in El Alto / Bolivien und das restaurative „Stadtschloss“ in Berlin sind die Eckpunkte eines analytischen Dokumentarfilms, der den Doppelcharakter der architektonischen Moderne im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und politischer Propaganda untersucht. Der Schauspieler Stefan Kolosko agiert als Taucher in der versunkenen Stadt Epecuén und als Kurator im Berliner „Humboldt Forum“. Der Architekt Arno Brandlhuber kommentiert den Wiederaufbau des „Berliner Stadtschlosses“.

AFTERSUN (engl. OmU)

Regie: Charlotte Wells

102 min / ab 12 Jahren

Das atemberaubende Debüt der schottischen Autorin und Regisseurin Charlotte Wells, Aftersun, verbindet eine hoffnungsvolle Coming-of-Age-Geschichte mit einem ergreifenden, intimen Familienporträt, das einen unauslöschlichen Eindruck hinterlässt.
In einem verblassenden Ferienort in den späten 1990er Jahren genießt die 11-jährige Sophie (Frankie Corio) die seltene gemeinsame Zeit mit ihrem liebevollen und idealistischen Vater Calum (BAFTA-Gewinner Paul Mescal, Normal People). Während die Welt des Erwachsenwerdens für sie immer näher kommt, kämpft Calum unter der Last des Lebens außerhalb der Vaterschaft.
Zwanzig Jahre später werden in Charlotte Wells’ beeindruckendem und erschütterndem Debütfilm Sophies zärtliche Erinnerungen an ihren letzten Urlaub zu einem kraftvollen und herzzerreißenden Porträt einer Beziehung, in der sie versucht, den Vater, den sie kannte, mit dem Mann zu versöhnen, den sie nie kennenlernte.

EO (poln. / ital. OmU)

Regie: Jerzy Skolimowski

88 min / ab 12 Jahren

Die Welt ist ein geheimnisvoller Ort, wenn man sie mit den Augen eines Tieres betrachtet. EO, ein grauer Esel mit melancholischen Augen, begegnet auf seinem Lebensweg guten und schlechten Menschen, erlebt Freude und Schmerz, erträgt das Glücksrad, das sein Glück in Unglück und seine Verzweiflung in unerwartete Glückseligkeit verwandelt. Doch nicht einmal für einen Moment verliert er seine Unschuld. Mit der Neuinterpretation der französischen Vorlage „Zum Beispiel Balthasar“ aus dem Jahr 1966 huldigt der mittlerweile 84-jährige polnische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Jerzy Skolimowski dem französischen Regisseur Robert Bresson. In seiner zeitgenössischen Fabel, gedreht in Polen und Italien, zeigt uns Skolimowski die Welt aus der Perspektive eines grauen Nutztiers und folgt ihm bei seinen freudvollen und schmerzhaften Begegnungen und auf seinem Lebensweg durch Europa und führt uns als Zuschauende vor, dass menschliche Intelligenz uns zwar die Fähigkeit gibt, unser Schicksal zu begreifen, wir aber auch nicht die Macht besitzen, es zu kontrollieren. Beim Filmfestival in Cannes 2022 gab es für Regisseur Jerzy Skolimowski den Preis der Jury und für Pawel Mykietyn den Preis für die beste Filmmusik.

TRIANGEL OF SADNESS (engl. OmU)

Regie: Ruben Östlund

147 min / ab 12 Jahren

Das junge Männer-Model Carl (Harris Dickinson) und die erfolgreiche Influencerin Yaya (Charlbi Dean Kriek), in deren Beziehung es ein wenig kriselt, sind es gewohnt, ihr Luxus-Leben auf Instagram zu vermarkten. Als sie auf eine Kreuzfahrt für Superreiche eingeladen werden, können sie Erholung und Arbeit perfekt miteinander verbinden – sich mit einem Champagner-Glas auf dem Sonnendeck zu räkeln, ist schließlich absolut social-media-tauglich. Hinter den Kulissen geht es jedoch weit weniger paradiesisch zu. Während sich der dauerbetrunkene, marxistische Kapitän (Woody Harrelson) in seiner Kabine einschließt, versucht die Crew unter Leitung ihrer perfektionistischen Chefin Paula (Vicki Berlin), den verwöhnten Gästen jeden noch so absurden Wunsch zu erfüllen. Als das obligatorische Kapitänsdinner, zu dem sich der Captain dann doch noch breitschlagen lässt, ausgerechnet während eines Sturms stattfindet, laufen die Dinge jedoch völlig aus dem Ruder.

UNRUH (schweiz. OmU)

Regie: Cyril Schäublin

93 min / ab 6 Jahren

1877: der russische Kartograf Pyotr Kropotkin kommt in ein Tal im Schweizer Jura, angelockt von der hochentwickelten Uhrenfertigung dort und von der Nachricht, dass sich Arbeiter*innen zu einer anarchistischen Gewerkschaft zusammengeschlossen haben. Er trifft auf eine Gesellschaft, in der Beamte und Gendarmen über die richtige Uhrzeit wachen und dem Produktionsbetrieb und der Gemeinschaft den Takt vorgeben. Immer effizienter werden die Produktionsabläufe in den Uhrmanufakturen organisiert, die sekundengenaue Kontrolle erzeugt einen steigenden Druck auf die Beschäftigten. Davon kann auch Josephine ein Lied singen, die über die Montage der Unruh, des Herzstücks der mechanischen Uhr, wacht und den zugereisten Kropotkin kennenlernt. Inspiriert von anarchistischen Ideen fordern sie die Befreiung der Zeit, setzen Solidarität und Pazifismus gegen Marktgesetze und Nationalismus.